Datenauswertung

Daten einer PV-Anlage richtig auswerten

Solarpanels auf einem Hausdach

Rohdaten aus Monitoring-Systemen liefern Strom-, Spannungs- und Leistungswerte. Der Erkenntnisgewinn entsteht erst durch strukturierte Auswertung: Vergleich mit Erwartungswerten, Trendanalysen und die Einordnung in Verlustkaskaden. Dieser Artikel beschreibt methodisch, wie Anlagenbetreiber Monitoring-Daten systematisch auswerten können.

Ertragsbericht verstehen

Ein typischer Ertragsbericht enthält folgende Informationen:

  • Erzeugte Energie in kWh (täglich, monatlich, jährlich)
  • Eingespeiste und eigenverbrauchte Energie, falls ein Speicher vorhanden
  • Vergleich mit dem Vorjahr oder mit Simulationswerten
  • Performance Ratio und spezifischer Ertrag
  • Betriebsstunden und Ausfallzeiten

Verlustkaskade analysieren

Die Verlustkaskade (auch Sankey-Diagramm) zeigt, wie die eingestrahlte Strahlungsenergie auf dem Weg zur nutzbaren elektrischen Energie verloren geht. Typische Verlustpositionen:

Verlustursache Typischer Anteil Einflussfaktoren
Temperaturverluste5–8 %Modultemperatur, Zelltyp
Wechselrichterverluste3–5 %Wirkungsgrad, Teillastbetrieb
Kabelverluste1–3 %Leitungsquerschnitt, Länge
Verschmutzung1–5 %Reinigungsintervall, Standort
VerschattungvariabelUmgebung, Jahreszeit
Abregelung (70 %-Regel)variabelAnlagenleistung, Verbrauchsprofil

Performance-Ratio-Trend auswerten

Ein fallender PR-Trend über Wochen oder Monate deutet auf systembezogene Probleme hin. Eine sprunghafte PR-Abnahme weist eher auf einen konkreten Fehler hin, wie etwa einen ausgefallenen String oder einen defekten Modul-Optimierer. Hilfreich ist der Vergleich der PR mit gleichzeitig gemessenen Temperaturdaten, da hohe Außentemperaturen die Modulleistung vorübergehend senken.

Praxis-Tipp: Viele Monitoring-Portale bieten eine temperaturkorrigierte PR an, die den Einfluss der Modultemperatur herausrechnet. Diese normierte PR erlaubt genauere Rückschlüsse auf tatsächliche Verluste unabhängig von saisonalen Temperaturschwankungen.

String-Vergleich zur Fehlerlokalisation

Anlagen mit mehreren Strings oder MPP-Trackern ermöglichen einen direkten Leistungsvergleich. Weicht ein String dauerhaft von den anderen ab, deutet das auf:

  • Teilweise Verschattung durch Vegetation, Kamine oder Antennen
  • Defekte Bypass-Dioden in Modulen
  • Leitungsunterbrechungen oder Kontaktprobleme
  • Unterschiedliche Ausrichtung oder Neigung einzelner Module

Einstrahlungsdaten einbeziehen

Erträge ohne Bezug zu Einstrahlungsdaten sind wenig aussagekräftig. An bewölkten Tagen sind niedrige Erträge erwartet; Abweichungen fallen erst im Vergleich mit gemessener Einstrahlung auf. Strahlungsdaten können aus meteorologischen Quellen wie dem Deutschen Wetterdienst (DWD) abgerufen oder über einen vor-Ort-Strahlungssensor gemessen werden.

Das Klimadatenportal des Deutschen Wetterdienstes stellt historische Strahlungsdaten für viele Stationen in Deutschland bereit. Das europäische PVGIS-Tool (re.jrc.ec.europa.eu) liefert Simulationserträge als Vergleichsbasis.

Automatisierte Alarmfunktionen nutzen

Moderne Monitoring-Systeme bieten konfigurierbare Alarme, die bei Unterschreitung eines Ertragsschwellwerts, bei Wechselrichterfehler-Codes oder bei Kommunikationsausfällen eine Meldung per E-Mail oder SMS versenden. Diese Funktion verkürzt die Reaktionszeit bei Anlagenausfällen erheblich und reduziert Ertragsausfälle.

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